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Kabellos tanken? Mit neuer Technologie bald keine Zukunftsmusik mehr. (Bild: Siemens)

Mit oder ohne Kabel? Über die Zukunft des Elektro-Autos

26.08.2011, 14:48 Uhr

Läuft alles nach Plan, so wird das Tanken künftig ein Quell der Freude. Statt wütend auf die Zapfsäule zu starren und machtlos mitansehen zu müssen, wie wenig Benzin wir nur noch für unser mühsam Erspartes bekommen, ziehen wir lächelnd ein dickes Kabel aus dem Kofferraum. Dann geht es schnell: Tankdeckel auf, Stecker rein – schon fließt Strom ins Akku. Ein leises Surren und wir gleiten fort in unserem schicken batteriebetriebenen Elektrosportwagen.

Wenn es da nicht noch ein paar Haken gäbe. Etwa die extrem lange Ladezeit: Je nach Fahrzeugtyp und Ladestation muss man bislang noch sechs bis zwölf Stunden einplanen. Ups, so weit reicht die Liebe zur Umwelt dann doch nicht. Mit Starkstrom dauert das Aufladen zwar „nur” eine halbe Stunde, doch dies erfordert spezielle Anschlüsse und strapaziert den Akku stärker.

Was also tun? Autohersteller, Elektrokonzerne und Energieversorger arbeiten akribisch daran, den Strom schnell auf die Straße zu bekommen. Im Frühjahr stellte Siemens bereits eine Ladesäule vor, die Batterien in nur einer Stunde wieder fit machen soll. Hoffnung macht auch ein neuer, vielseitig verwendbarer Akku, den US-Forscher entwickelt haben: Er lässt sich bis zu hundertmal schneller aufladen als gewöhnliche Modelle – und kann trotzdem große Mengen an Energie speichern. Der Akku sei nicht nur für Handys oder Notebooks interessant, sondern auch für Elektroautos, sagt der Materialforscher Paul Braun von der University of Illinois: „Könnte man ihn innerhalb von fünf Minuten aufladen, würde einem das nicht anders vorkommen als bei einem Verbrennungsmotor.”

Die kalifornische Firma Better Place setzt dagegen auf Batterieaustausch. „Es dauert keine drei Minuten”, verspricht Firmenchef Shai Agassi. „Man rollt in eine Box wie in eine Waschstraße. Die Anlage erkennt den Wagen, ein Greifarm löst die Batterie, und der neue Akku ist montiert.” Erste Wechselstationen gibt es schon, in Israel und Dänemark will Better Place sogar ein flächendeckendes Netz aufbauen. Werden wir also in Zukunft statt zu tanken einfach die Batterie auswechseln wie bei einem Spielzeugauto? Ich glaube nicht. Denn auch wenn es schnell geht: Agassis Lösung ist aufwendig und kompliziert. Die Tankstellen müssten flächendeckend umgerüstet und mit Batterien der Hersteller bestückt werden. Das funktioniert im großen Stil nur dann, wenn Batterien und Fahrzeuge weitgehend standardisiert sind. Experten sind skeptisch: Wie soll es gelingen, den Strombedarf eines Sportautos und eines Kleinwagens mit der gleichen Batterie zu befriedigen?

Wie von Zauberhand: Batterien aufladen beim Parken. (Bild: Siemens)


Mehr Erfolg versprechen Induktionsschleifen, mit denen sich das Auto beim Parken kabellos wie von selbst auflädt. Unterm Straßenbelag oder in der Garagenauffahrt wird eine Kupferspule im Boden versenkt, die mit dem Stromnetz verbunden ist. Unterm Fahrzeugboden sitzt eine zweite Spule. Startet der Fahrer den Ladevorgang, entsteht ein elektrisches Feld und die Fahrzeugbatterie lädt sich auf. Auch auf Parkplätzen ist diese Technik denkbar. Was für ein wunderbarer Gedanke: Man lässt das Auto zum Aufladen einfach stehen, geht einkaufen oder isst einen Happen. Volvo erprobt diese Technik zurzeit mit der belgischen Non-Profit-Organisation Flanders Drive und veranschlagt eine Ladezeit von einer Stunde und 20 Minuten. Das ist immer noch lang, aber keine Ewigkeit mehr, zumal sich die Wartezeit sinnvoll nutzen ließe. Und: Würde unser Leben so nicht auf wundersame Weise entschleunigt?!

Ich wage mal eine Prognose: Elektroautofahrer müssen bald nicht mal mehr das Kabel auspacken. Das Tanken wird „wireless”. Glauben Sie nicht? Eigentlich reicht schon ein Blick auf Mac oder Smartphone, um zu sehen, wohin die Reise geht.

Michael Brüggemann

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