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Wohn-Ei: Besonders zu Ostern ein Hingucker (Foto: Matteo Pugelli, Team Kasa Uovo)

Ei, Ei, Ei – Wohnen mit Überraschungseffekt

04.04.2011

Ostern steht vor der Tür, und wieder einmal werden wir überschwemmt mit Eiern aller Art: frisch vom Huhn oder aus Schokolade, selbst bemalt oder gekauft, hübsch drapiert in Nestern oder von Sträuchern im Vorgarten baumelnd. Das Ganze gipfelt dann – ritualisiert – im fröhlichen Ostereiersuchen auf dem Rasen.

Dieser Familienspaß könnte in naher Zukunft völlig andere Dimensionen annehmen. Denn schon bald könnten haushohe Eier auf der Wiese stehen und damit das Einsammeln etwas schwierig gestalten, dafür aber umso mehr kindliche Begeisterung hervorrufen. Diese könnte sich in ungläubiges Staunen verwandeln, denn bei näherem Hinsehen entpuppen sich die Gebilde nicht als kunterbunter Osterscherz einer lokalen Künstlertruppe, sondern als echte, bewohnbare Häuser – mit Küche, Klo und allem drum und dran.

Das ungewöhnliche Design stammt aus Italien. Der Designer Roberto Casati, der Architekt Marco Puggelli und ein paar Ingenieure haben die ostereiförmigen Musterhäuser entworfen – und zwar voll und ganz nach ökologischen Gesichtspunkten. Jedes „Kasa Uovo” besteht aus Recycling-Materialien wie Autoreifen, Altmatratzen und Holzabfällen. Zeitgemäß setzten die Erfinder auf Nachhaltigkeit und konstruierten ihre Wohn-Eier als Energiesparhäuser. Wärme liefert eine Gasbrennwertheizung, Strom produziert ein Windrad und eine Fotovoltaikanlage. Regenwassernutzung ist ebenfalls vorgesehen. Dass die Eier aufgrund ihrer Bauweise absolut erdbebensicher sind, könnte gerade in dieser Zeit das Interesse potenzieller Käufer noch mal erhöhen.

Der Grundriss gleicht dem eines kleinen Reihenhauses: im Erdgeschoss befindet sich ein großes Zimmer mit Kochnische, über eine Treppe gelangen die Bewohner zu zwei weiteren Wohnräumen. Die Innenwände sind nicht nach außen gewölbt, sondern gerade, schließlich soll die Behausung praktisch sein, und die Bewohner wollen ja auch Regale aufstellen oder ein Bild aufhängen. Die Farbe der Eierschale sowie die Anzahl der Fenster kann der Käufer selbst aussuchen.

Ist das nun ein Luxus-Ei für reiche Spinner? Nein. 2000 Euro pro Quadratmeter sind ein Preis, der viele Bauherren erfreut. Fassen wir zusammen: Das Wohn-Ei ist ein Knaller – nicht nur zu Ostern: Es ist preiswert, umweltfreundlich, schnell aufgebaut und sieht cool aus. Und der Ausdruck: „Hey, die Nachbarin sieht heute mal wieder aus wie aus dem Ei gepellt!” erhält noch eine ganz andere Bedeutung.

Gästehaus: Sogar mit Sonnendach (Foto: Blobforsale)

Richtig neu ist das Ganze natürlich nicht. Das Thema „Wohnen im Ei” haben schon andere Designer und Hersteller entdeckt. Campern sind eiförmige Wohnwagen seit Jahrzehnten bekannt, ein jüngeres Beispiel ist der T@b von Knaus-Tabbert (www.tabme.de). Richtig verliebt in Eier geben sich auch die Belgier. Das Design-Team dmvA hat 2009 ein rund 20 Quadratmeter großes Holz-Polyester-Ei vorgestellt, das als Mini-Büro, Gästeherberge oder Gartenhaus gedacht ist, mit Bett, Nasszelle und viel Stauraum. Die Spitze des liegenden Eis fährt automatisch nach oben und wird zum Verandadach (http://blobforsale.blogspot.com/). Das fehlt den italienischen Wohn-Eiern bislang.
Aber das kann ja noch kommen.

Uske Berndt

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