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| Foto: Bau 2011 |
„Schont die Umwelt, schont den Geldbeutel”? Wie das Zukunftsthema Energieeffizienz die Baubranche herausfordert
14.12.2010
Es herrschte eine prima Stimmung auf der BAU 2011 in München, Die Hallen waren voll, die Stände gut besucht, zu erleben war eine Branche, die sich schon 2010 wieder im Aufwind befand und voller Optimismus das neue Jahr angeht. Ihr wichtigstes Motto: Energieeffizienz. Wohin man schaute, präsentierten die Hersteller ihre Beiträge zu diesem zentralen Zukunftsthema, ob sie nun Dämmsysteme, Fenster, Türen, Bodenbeläge oder Mauersteine anboten. Soweit alles ganz wunderbar, denn gegen die Reduzierung von Wärme- und Strombedarf, mithin also die Reduzierung von CO2-Emissionen kann ja niemand etwas haben.
Verblüffend aber für den Journalisten, der sich seit 20 Jahren mit diesem Thema befasst (wenngleich es damals noch nicht so hieß): Offenbar meinen alle Vertriebs- und Marketingleiter, Werber und PR-Experten, dass alleine der Begriff „Energieeffizienz” das „Sesam öffne dich!” zu den Herzen der Bauherren ist. Auf dass sie ihre Geldbeutel öffnen, ihre Konten räumen, ihre Kreditlinie ausschöpfen, um mit all dem Geld ihre Häuser zu Energiesparwundern hochzurüsten. Wenn mir diese bescheidene Anmerkung erlaubt ist: Das wird nicht gelingen.
Dazu zwei Anekdoten aus der vergangenen Zeit. Da verkündete, als wir das Thema Hausmodernisierung besprachen, der altgediente Redakteur der Umweltredaktion (!) einer öffentlich-rechtlichen Anstalt, dass ihm neue Fenster schon mal gar nicht ins Haus kämen. O-Ton: „Die Kosten kann ich auf meine Mieter nur zum kleinen Teil umlegen, aber dafür verschimmeln mir die Wohnungen. Da ist mir die Zwangsbelüftung durch die zugigen alten Fenster viel lieber.” Keine Chance, mit guten Argumenten seine Verweigerung aufzubrechen.
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| Foto: Bau 2011 |
Dieselbe Weigerung, freilich aus anderen Gründen, bei einem guten Freund, der ansonsten Nachhaltigkeit und Umwelt- bewusstsein nicht nur propagiert, sondern auch lebt. „Ich werde doch nicht meine schönen, ausgezeichnet haltbaren Eichenfenster mit ihren zarten Profilen herausreißen, um mein Haus mit klobigen Wärmeschutz- fenstern zu verschandeln.”
Auch hier: keine Diskussion, kein Einlenken.
Mit dem abgedroschenen Slogan „schont die Umwelt, schont den Geldbeutel” musste man bei den Energiespar-Verweigerern nicht kommen. Aber wenn wir uns jetzt wieder der BAU und den Tonnen von bedrucktem Papier zuwenden, die von den wunderbaren Vorteilen der Energieeffizienz künden, dann ist die Branche mit ihren Erkenntnissen weiter noch nicht vorgedrungen. Hartnäckig ignoriert sie, dass zumindest private Bauherren so nicht zu erreichen sind. Warum das nicht funktioniert? Weil ihre Ablehnung in aller Regel nicht intellektuell, sondern emotional begründet ist.
Schauen wir noch mal hin. Den Umweltredakteur drangsaliert die Angst, dass seine Mieter nicht sorgsam lüften werden, wie neue Fenster es erfordern, und damit Bauschäden provozieren. Und der Freund bewertet die Eleganz seiner Fassade, zu denen die Fenster einen wichtigen Beitrag leisten, höher als deren Wärmeverlust. Hier geht es also nicht um Argumente, sondern ums Gefühl. Eben.
Und welche Gefühle wecken die Prospekte, Folder, Materialien, Videos, Webseiten der übergroßen Mehrheit der Aussteller auf der BAU? Jedenfalls keine Faszination, keine Lust aufs Sanieren, keine Freude aufs energieeffiziente Haus. Sie kümmern sich nicht um die (berechtigten) Sorgen der Bauherren und gehen über Probleme, die alltäglich sind, achtlos hinweg. Kein „ich weiß, was dich drückt, und gebe dir, was du brauchst.” Kaum irgendwo entsteht für den Betrachter, den Leser, das gute Gefühl, zu den Guten zu gehören, weil man den Fußabdruck, den man auf dieser Erde hinterlässt, möglichst klein hält. Ich muss es so drastisch sagen: Die Vermittlung der Faszination, die in der Energieeffizienz, diesem zentralen Zukunftsthema der nächsten Jahrzehnte, steckt, überfordert die Baubranche, zumindest noch.
Wie’s besser geht? Zum Beispiel der stern macht es vor. Mit Geschichten, in denen echte Menschen vorkommen und über ihre sehr persönlichen, damit aber umso besser nachvollziehbaren Erfahrungen mit dem Thema berichten. Das ist wahrlich kein Hexenwerk, nicht mal originell und trotzdem interessant. Das Rezept: gutes journalistisches Handwerk. Zum Nachmachen empfohlen.
Sven Rohde