 |
| Die Hobbit-Höhle aus "Herr der Ringe" (Foto: Landesgartenschau Norderstedt) |
„Ich glaube, ich bin im Film!” – Gartenschau einmal anders
24.05.2011, 14:02 Uhr
Die schleswig-holsteinische Stadt Norderstedt nördlich von Hamburg ist das, was viele als „Schlafstadt” bezeichnen würden. Reihenhaussiedlungen, ein großes Einkaufszentrum und eine U-Bahnlinie, die den Ort mit der Hansestadt verbindet. Die wohl größte Sehenswürdigkeit ist das Feuerwehrmuseum. Doch im Jahr 2011 ist alles anders: Norderstedt blüht auf, und zwar buchstäblich. Denn bis zum 9. Oktober findet hier die Landesgartenschau Schleswig-Holstein statt, eine Art kleine Schwester der Bundesgartenschau. Seit der Eröffnung im April pilgern Gartenfans aus ganz Norddeutschland über ein 72 Hektar großes Parkgelände, das noch vor wenigen Jahren aus einer öden Brachlandschaft mit Müllberg und Baggersee bestand.
Beliebtes Highlight fast jeder Schau sind die Themengärten, bei denen Landschaftsgärtner ihr Können zeigen und Hobbygärtner sich Ideen für die eigene Scholle abschauen können. Die 14 Norderstedter Themengärten stehen unter dem Motto „Film ab”. Und so findet sich der Besucher plötzlich im lieblichen Auenland aus „Herr der Ringe” wieder und staunt nicht schlecht, dass es von der gemütlichen Hobbit-Höhle mit Gründach nur wenige Schritte sind bis zur düsteren Steinlandschaft von Mordor, in der bekanntlich der Finsterling Sauron sein Unwesen treibt. Auf der Leinwand wirkte Mittelerde dann doch weitläufiger.
Wenig überraschend dagegen, dass im Themengarten „Der Name der Rose” die titelgebende Blumenart eine Hauptrolle spielt. Und auch die naturgewachsene Grünwand bei der gärtnerischen Umsetzung des Animationsfilms „Ab durch die Hecke” ist mehr als naheliegend. Dass aber im Themengarten „Casablanca” ausgerechnet zwei Bonsais die Rollen von Humphrey Bogart und Ingrid Bergman übernehmen, lässt schmunzeln – tatsächlich zählte „Bogey” mit einer Körpergröße von 1,65 ja nicht gerade zu den Riesen des Showgeschäfts. Was Freunde des Hitchcock-Klassikers „Das Fenster zum Hof” in Norderstedt erwartet, sei an dieser Stelle nicht verraten – schließlich soll die Krimispannung erhalten bleiben.
 |
| Der Klavierspieler aus "Casablanca" (Foto: Landesgartenschau Norderstedt) |
Der eigene Garten als Kinoklassiker – eine reizvolle Idee, nicht nur für Cineasten. Bietet dieser Ansatz doch auch weniger ambitionierten Gartenbesitzern endlich einmal die Möglichkeit, ihren Garten mit einem Minimum an Stilmitteln anspruchsvoll zu gestalten: So erfährt eine baum- und beetfreie Rasenlandschaft eine völlig neue Bedeutung als Hommage an die „Highlander”-Saga - das Fehlen jeglicher gestalterischer Elemente erleichtert zugleich das Rasenmähen immens. Noch pflegeleichter erscheint die filmische Umsetzung von „Star Wars”: Je nach Gartengröße sind lediglich mehrere Kubikmeter Sand nötig – schon gleicht der eigene Garten dem Wüstenplaneten Tatooine, Heimatplanet des Jedi-Ritters und Galaxien-Retters Luke Skywalker.
Selbst völlig verwilderte Gärten erscheinen plötzlich in einem neuen, filmischen Licht: Der Wildwuchs ist natürlich nichts anderes als eine mitteleuropäische Umsetzung des Urzeit-Dschungels aus „Jurassic Park”. Bleibt nur zu hoffen, dass sich die Nachbarn beim Anblick des wuchernden Gestrüpps nicht eher an Francis Ford Coppolas Klassiker „Apocalypse now” erinnert fühlen. In solch einem Fall hilft dann im Garten wie im Film nur noch eins: ein harter Schnitt.
Irene Altenmüller
|
 | |  | | |
|