Glasschwamm: Baumaterial-Produktion unter Wasser (Foto: Malte)
Schlauer Bauen nach dem Vorbild der Natur
17.03.2011
Wer behauptet, Fernsehen mache blöd, schaut einfach das falsche Programm. Neulich etwa brachte der Sender Arte eine hochinteressante Dokumentation über die Zukunft des Bauens: „Biomimikry – Natürlich genial. Bauen mit Effizienz!”
Berichtet wurde darin über Forscher, die sich – auf der Suche nach neuen Materialien und innovativen Bauweisen – die Natur zum Vorbild genommen hatten. Das war lehrreich wie eine Vorlesung und dabei so spannend wie ein Krimi. Ich war gefesselt. Im Kern ging es um die Frage: Wie lässt sich mit dem geringst möglichen Aufwand, das bestmögliche Ergebnis erzielen? Schließlich geht es beim Bauen ja nicht um Kleckerbeträge. Hinzu kommt: Bei einer rasant wachsenden Weltbevölkerung, die mittlerweile fast die Sieben-Milliarden-Grenze überschritten hat, wird ein behutsamer Umgang mit den Ressourcen immer drängender. Und bislang glänzt menschliche Architektur nicht gerade durch Sparsamkeit.
Nehmen wir das Beispiel Glas. Ein Material mit praktischen Eigenschaften, das jedoch nur mit einem extrem hohen Energieaufwand hergestellt werden kann. Zudem bricht es leicht. Dass es auch anders geht, zeigt uns ein Tier, welches im Verborgenen lebt. Etwa Tausend Meter unter dem Meeresspiegel produziert der Glasschwamm aus den im Meer vorhandenen Materialien ein trichterförmiges Gebilde aus einem elastischen und leichten glasähnlichen Material, ganz ohne Brennofen. Energiearm die Produktion, bruchsicher das Material.
Doch damit noch nicht genug, so ganz nebenbei ist die Bauweise des Glasgebildes all unseren Gebäudekonstruktionen in Bezug auf die Stabilität haushoch überlegen – und das mit einem geringst möglichen Materialeinsatz. Das haben Forscher des Max-Planck-Instituts für Kolloid- und Grenzflächenforschung in Potsdam herausgefunden.
Hochhaus: Könnte bald mit Glas aus dem Meer entstehen (Foto: Ian Muttoo)
Bleibt nur zu hoffen, dass die Forscher irgendwann hinter das Geheimnis der energiearmen Produktion von elastischem Glas kommen. Das würde die Glasproduktion revolutionieren, indem es den Energieverbrauch signifikant senken würde. Bruchsichere Fensterscheiben oder Wassergläser wären möglich. Und schließlich ließe sich viel Baumaterial sparen, wenn etwa Wolkenkratzer die Bauweise von Glasschwämmen nachahmen würden. Zusätzlich würden die Hochhäuser sogar noch an Stabilität hinzugewinnen.
Es gibt noch viele weitere Beispiele, in denen sich Forscher die Natur als effizienten Baumeister zum Vorbild nehmen. Die Menschheit arbeitet daran, die uralte Weisheit der Evolution zu erkennen und zu nutzen. Mein Urteil: Weiter so!