 |
| Mini-Haus: Ein Mix aus Wohnwagen und Holzhütte (Foto: Tumbleweedhouses) |
Grüner Wohnen in den USA: Öko-Dämmung und Häuser zum Mitnehmen
04.02.2011
Kürzlich las ich, dass nachhaltiges Bauen und Heimwerken in den USA im Trend liegt. Das energie- und wassersparende Eigenheim gehört dort inzwischen zum guten Ton, ebenso ein umweltfreundlicher Innenausbau. Die grünen Zutaten liefern Online-Shops wie www.greendepot.com, bei denen Häuslebauer schadstofffreie Farben, natürliche Dämmstoffe und Bürstenpinsel mit Wechselaufsatz ordern können. Wer etwas auf sich hält, so las ich, achtet schon beim Immobilienkauf auf ökologische Kriterien wie Toiletten mit Wasserspartaste oder umweltschonende Bodenbeläge. Selbst Hollywood, die Stadt des schönen Scheins, soll in Kürze für ein Wohnloft das LEED Platinum Zertifikat bekommen. LEED steht für Leadership in Energy and Environment Design und ist das höchste Gütesiegel für ressourcenschonendes Bauen in den Vereinigten Staaten.
Verwundert rieb ich mir die Augen und erinnerte mich an einen Aufenthalt in Los Angeles: an das endlos breite, flache Häusermeer, die 60 Meter breiten Teerpisten, die die Stadt durchschneiden, an die kriechenden Autokolonnen und die SUVs – spritsaufende Geländelimousinen von der Größe eines Geldtransporters. Wie passt dieses Bild zu Nachhaltigkeit und Ressourcenschonung?
Wahrscheinlich denken die Amerikaner einfach pragmatisch. Sie wollen beim Bauen nicht nur die Umwelt schonen, sondern vor allem Energiekosten sparen. Warum sie dann nach wie vor Autos fahren, mit denen man mühelos die Rocky Mountains bezwingen könnte? Geschenkt. Das Auto ist in den USA eine heilige Kuh, daran wird sich wohl auf lange Sicht auch nichts ändern. Beim Bauen aber sind die Ampeln auf Grün geschaltet – selbst wenn das in manchen Fällen Verzicht bedeutet.
 |
| Die Wohnküche: Etwas eng, aber gemütlich (Foto: Tumbleweedhouses) |
Immer beliebter werden daher „tiny houses” – mobile Mini-Häuser von der Größe eines Wohnzimmers. Der Platz reicht gerade so für ein Bett, ein Sofa, eine kleine Küche und ein winziges Bad. 40.000 bis 50.000 Dollar kostet das rollende Eigenheim – wer es selbst aufbaut, spart die Hälfte (www.tumbleweedhouses.com). Nach der Immobilienkrise hat die Idee rasch an Zulauf gewonnen: Junge Leute erfüllen sich den Traum vom eigenen Haus, ohne jahrzehntelang unter Krediten zu ächzen. Schöner Nebeneffekt für die Umwelt: Tiny houses versiegeln die Landschaft nicht. Wen es forttreibt, der zieht sein Häuschen einfach hinter sich her.
Eigentlich eine charmante Idee: das Haus mitzunehmen, wenn es einen wegen Beruf, Familie oder Freundin in eine andere Stadt verschlägt. Man mag das belächeln, aber würde es nicht viele Entscheidungen erleichtern? Die Idee vom festen Eigenheim passt ja schon lange nicht mehr zur Lebenswirklichkeit vieler Menschen. Besonders von Jüngeren wird Mobilität erwartet. Die Folge: Fernbeziehungen und massenweise Berufspendler. Schön ist das nicht. Die Mini-Häuser würden mehr Flexibilität ermöglichen. Auch der Wohnflächenverbrauch, der sich in den vergangenen 50 Jahren in Deutschland fast verdreifacht hat, würde sinken.
Soweit die Theorie. In der Praxis kann ich mir „tiny houses” hierzulande nicht vorstellen. Selbst frisch Verliebten wird beim Gedanken mulmig, rund um die Uhr in einem Raum eingepfercht zu sein. Zu klein, zu unkomfortabel, zu wenig Rückzug. Meine Prognose: Die sesshaften Deutschen werden den Trend locker aussitzen. Wer sein Eigenheim mitnehmen will, fährt weiterhin Wohnmobil.
Michael Brüggemann
|
 | |  | | |
|