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| Heatball: Wärmequelle im Mini-Format (Foto: T-Systems) |
Der Heatball darf nicht mehr heizen
12.01.2011
Beim Zoll landet ja so alles mögliche: gefälschte Uhren, geschützte Wildtiere, illegale Waffen und verbotenes Rauschgift. Doch jetzt liegen am Flughafen Köln/Bonn 40.000 so genannte Heatballs – zu Wärmequellen umdeklarierte Glühlampen made in China. Nicht weil sie fehlerhaft sind oder dreist kopiert, sondern einfach weil sie sind, was sie sind: Lampen mit einem Glühfaden, mit 75 oder 100 Watt. In den Handel dürfen sie nicht, denn der Vertrieb von Glühbirnen dieser Leistung ist in der EU verboten. Die Gerichte untersagten die Einfuhr.
Dabei war die Idee irgendwie genial: Zwei Ingenieure deklarieren die gute alte Glühlampe als Mini-Heizung, nennen sie Heizball, lassen sie billig in Asien produzieren und verkaufen sie in Europa übers Internet. Da die Birne zu 95 Prozent Wärme abgibt, ist es ja genau genommen keine Lampe, sondern eine Wärmequelle und fällt damit nicht unter die Lampenverordnung des Verbands der Elektrotechnik (VDE). Alles politisch korrekt. Als „völlig unbedenklich” preist der promovierte Ingenieur Siegfried Rotthäuser die Rohstoffe seiner Erfindung an. Quecksilber – wie in Energiesparlampen verbaut – findet man im Heizball nicht.
Mit der Kunstaktion wollen er und sein Kompagnon Rudolf Hannot den Sinn von Energiesparlampen für das Weltklima hinterfragen und „sich gegen die Dummheit in der Politik wehren”, so Hannot. Und es lief gut an: 2010 ging der heiße Ball an den Start, die ersten 4000 Stück zu je 1,69 Euro waren schnell verkauft. 30 Cent pro Heizquelle kommen dem Regenwald zugute. Aber dann folgte das jähe Ende der Reise für 40.000 nachbestellte Wärmebirnen.
Hannot und Rotthäuser klagen nun gegen zwei Beschlüsse. Dabei geht es um die Freiheit der Kunst einerseits und den Schutz der Umwelt andererseits. Dass die Heizbälle die Umwelt schädigen, wollen die beiden Herren nicht gelten lassen. „Die 40.000 Heatballs verbrauchen Strom und produzieren während ihrer rund 2000-stündigen Brenndauer etwa 4600 Tonnen CO2”, erklärt Hannot, „dafür retten wir große Teile des Regenwaldes und verhindern damit ungefähr einen CO2-Ausstoß von 26.000 Tonnen.” Eine nachvollziehbare Rechnung, die der allerdings Justiz nicht einleuchtet. Längst steckt auch die EU-Kommission mittendrin, der VDE sowieso. Gutachten werden diskutiert. „Wir haben ein gutes Gewissen und hoffen auf einen vernünftigen Richter”, so Hannot.
Vorerst hat die Bürokratie gesiegt und die subversive Idee untergraben. Deutschen Gerichten und Behörden fehlt bekanntlich jeder Sinn für Humor. Für sie ist der Heatball nichts weiter als eine verdammenswerte Glühlampe und fällt als dekorative Mini-Heizung für die Zimmerecke vorerst aus. Ich bin gespannt auf die Entscheidung der nächsten Instanz. Und vertraue einstweilen darauf, dass mein Vorrat an Heizquellen im Schrank groß genug ist.
Uske Berndt
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