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Lautstarker Angriff auf die Blätter! (Foto: iStock)

Und täglich dröhnt der Laubpuster!

24.11.2011, 10:16 Uhr

Dunkelheit, Nieselregen, Nebel – der November schlägt vielen von uns aufs Gemüt. Doch damit nicht genug, denn das größte, jährlich wiederkehrende Übel der grauen Jahreszeit kommt aus dem Baumarkt nebenan: der Laubpuster! Beim Schnäppchenpreis von 99 Euro greift auch der passionierte Hobbygärtner gern zu – und peinigt wenig später mit dem frisch erworbenen Gerät Umwelt und Mitmenschen.
Noch vor wenigen Jahren röhrte der Laubpuster lediglich auf öffentlichem Grund wie Gehwegen und Parks. Es war das einsame Privileg der Stadtreinigung, mit diesem motorbetriebene Gerät die Luft zu verpesten und zugleich Tausenden Bürgern durch Dezibel-Werte, die denen eines Presslufthammers entsprechen, einen Tinnitus zu bescheren. Doch die Zeiten haben sich geändert und die Laubbläser das Land flächendeckend erobert – inklusive Klein- und Hausgärten.

Und so wird auch in ordentlichen deutschen Privatgärten längst nicht mehr geharkt, sondern gepustet – übrigens mit Windgeschwindigkeiten von bis zu 250 Kilometern, was in etwa der Stärke des Hurrikans „Katrina” entspricht. Manch stolzer Besitzer kramt sein liebstes Spielzeug gern auch schon im Hochsommer hervor, um die Wege von Sand und Staub zu befreien. Wer hingegen seinen Garten noch mit Besen, Harke und Rechen bearbeitet und sich damit nicht nur meditative Entspannung, sondern auch eine ordentliche Portion Sauerstoff gönnt, gilt unter Hightech-Freaks als aus der Zeit gefallen.

Für Kleintiere gibt es kein Entkommen mehr. (Foto: Fotolia)

Auch mein Nachbar hat jetzt aufgerüstet: Mit seinem Benzinlaubbläser der jüngsten Generation hat er das Laub in seinem Garten per Knopfdruck im Nu zusammengepustet. Ein weiterer Knopfdruck, und aus dem Gerät wird ein Sauger. Schon ist der Laubhaufen verschwunden – samt Marienkäfern und anderen Kleinlebewesen, die so unvorsichtig waren, ausgerechnet unter abgefallenen Blättern Schutz zu suchen. Und während ich noch verzweifelt nach Ohrenstöpseln suche, hat mein Nachbar bereits den Gehweg in Angriff genommen. Geschickt pustet er dort das Laub zu kegelförmigen Haufen und platziert diese ordentlich auf dem Radweg.

Als er fertig ist und der Laubbläser endlich schweigt, breitet sich auf seinem Gesicht ein zufriedenes Lächeln aus. Seine Gartenarbeit hat er für heute erledigt – in nur 26 Minuten! Und damit einen neuen persönlichen Rekord aufgestellt. In dieser Zeit hat er: 1. sämtliches Gartenlaub inklusive Bodenlebewesen zusammengepustet und aufgesaugt; 2. Fossile Brennstoffe verbraucht und Abgase produziert; 3. Den Radweg unpassierbar gemacht. 4. Seine Ohren nachhaltig geschädigt; 5. Sein Ansehen bei eigentlich wohlmeinenden Nachbarn Richtung Grasnarbe getrieben – kurz: Er hat alles erreicht, was er sich an gärtnerischen Großtaten für diesen Novembertag vorgenommen hat.

Und auch ich habe mir etwas vorgenommen. Ich werde gleich mal zu ihm rübergehen. Ihm einfach mal zeigen, was ’ne Harke ist. Nur für den Fall, dass er es noch nicht weiß.

Irene Altenmüller

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