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Mein Haus, mein Windrad, meine Energie (Foto: Allstav-Haus)

Mit der Kraft des Windes: Strom selbst erzeugen kann so einfach sein

29.04.2011

Wenn ich ganz großes Glück habe, sehe ich ab und an eines dieser seltenen Exemplare und fühle mich wie ein Forscher, der in einem undurchdringlichen Dschungel fern jeder Zivilisation einen sensationellen Fund gemacht hat. Neulich hatte ich ganz großes Glück: Es war in einer Reihenhaussiedlung im Süden von Hamburg, fast schon in Niedersachsen. Auf dem Dach des roten Backsteinhauses thronte es, drehte sich schnell und anscheinend unermüdlich, angetrieben von einem für Norddeutschland typischen starken Wind: ein Windrad. Es ließ das Haus, auf dem es stand, herausragen und setzte ein individuelles i-Tüpfelchen in die rote Backstein-Monotonie der Nachbarschaft. Doch sein Besitzer wird es aus ganz uneitlen Gründen auf das Dach montiert haben. Schließlich erzeugt das kleine Windrad Strom, der sich sofort verbrauchen, in einer Batterie speichern oder ins öffentliche Netz verkaufen lässt.

Bei Kleinwind-Anlagen unterscheidet der Bundesverband Windenergie (BWE) drei Größenklassen: Kleinst-Anlagen mit einer Leistung bis zu 1,5 Kilowatt (kW), Hausanlagen mit 1,5–5 kW und die sogenannten Nebenwindanlagen mit 5–30 kW. Während sich die Kleinstanlagen problemlos am Haus, auf dem Segelboot oder in der Ferienhütte anbringen lassen, benötigen die großen Nebenwind-Anlagen einen eigenen Mast. Bei den mittelgroßen Hausanlagen entscheidet die Statik des jeweiligen Gebäudes, ob sie auf dem Haus montiert werden können oder ob sie einen eigenen Mast brauchen.

Kleine Räder, großes Potential (Foto: Allstav-Haus)

Doch lohnt sich der ganze Aufwand eigentlich? Was sind schon 1,5 Kilowatt? Gar nicht so wenig! Zum Vergleich: Eine LED-Lampe, die von der Leuchtkraft her 60-Watt-Glühbirne ersetzen kann, hat eine Leistungsaufnahme von 9,1 Watt. Das heißt, dass selbst eine Kleinstwind-Anlage mit einer Leistung von bis zu einem Kilowatt Strom bei kräftigem Wind Energie für 100 LED-Lampen bereitstellen kann. Rechnet man das auf die Millionen Haushalte in Deutschland hoch, wird schnell erkennbar, welch immenses Potenzial in der dezentralen Stromerzeugung durch Kleinwind-Anlagen, aber auch in der Fotovoltaik steckt: Beide können nach Fukushima Enormes zur angestrebten Energiewende beitragen.

Immerhin wünscht sich eine überragende Mehrheit der Deutschen den schnellen Ausstieg aus der Atomkraft. Um langfristig die Energielücke auszugleichen, hoffen viele Menschen auf den Siegeszug erneuerbarer Energien und die Realisierung von Maßnahmen zur Energieeffizienz. Das zumindest ergab eine aktuelle Forsa-Umfrage. Der gute Wille im Volk ist also vorhanden. Freie Dächer, Wind und Sonne gibt es im Überfluss. Jetzt muss nur noch die Politik die richtigen Signale setzen. Die von der Bundesregierung eingesetzte Ethik-Kommission unter der Leitung des ehemaligen Umweltministers Klaus Töpfer lässt hoffen.

Benedikt Baikousis

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