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Wie Fotovoltaik die Architektur verhunzt und warum das nicht so sein muss

13.12.2010

Die ersten Tage des Jahres 2011 waren voll zwiespältiger Gefühle. Einerseits war es schön, dass unter dem Eispanzer langsam die Straßen und Bürgersteige wieder auftauchten und man gefahrlos von A nach B kommen konnte, sogar wieder mit dem Fahrrad. Andererseits hatte der Schnee gnädig verdeckt (oder zumindest kaschiert), was nun wieder zum Vorschein kam – nachhaltig verschandelte Dachlandschaften, ohne Sinn für Form, Proportion und Material mit Strom erzeugenden Fotovoltaik-Modulen verhunzt.

Nein, lassen Sie uns nicht über den Sinn von regenerativem Strom debattieren. Er ist unbestritten. Trefflich streiten ließe sich über die Angemessenheit der üppigen Förderung für den Sonnenstrom, aber auch darum soll es hier nicht gehen. Thema ist hier, was leider kein Geld bringt und deswegen offenbar auch nichts wert ist: der Anblick von Dächern, der jeden Menschen mit Geschmack einfach fassungslos macht. Oder wie geht es Ihnen bei diesem Foto?

Mit bestem Gewissen Schreckliches angerichtet: die Südseite eines preisgekrönten Effizienzhauses (Foto: dena)

Das Foto kam frei Haus und passte – darf ich sagen: wie Arsch auf Eimer? – in die Gefühlslage. Denn dem Haus ist ja anzusehen, dass die Bauherren gute Menschen sind, die ihre Umwelt mit möglichst wenig Kohlendioxid belasten möchten. Wie schön. Dass sie dabei ohne jedes Stilgefühl zu Werke gehen, ist sehr schade, aber immer noch nicht die Pointe. Die kommt jetzt: Dieses Haus kam beim Wettbewerb „Deutschlands schönste Effizienzhäuser” der Deutschen Energie-Agentur, kurz dena, unter die Preisträger. Wie bitte? Dieses Machwerk ist eines von Deutschlands schönsten Effizienzhäusern? Sollen wir uns nach den Energieschleudern zurücksehnen?
Der Pressekollege von der dena war ein wenig betreten, als ich ihn um das Foto bat und der Fairness halber sagte, wofür ich es brauche. Und verwies darauf, dass nicht eine Jury der dena den Bau prämiert hatte, sondern die Besucher der dena-Site in einem online-Voting. Macht es das besser oder schlimmer? Auf jeden Fall ratlos. Und, zumindest mich, wütend.

Der Zeitpunkt ist nicht mehr fern, an dem wir, liebe Schwestern und Brüder im Geiste, eine Bürgerinitiative für den Schutz von Deutschlands Dächern gründen müssen. Der Hersteller Solvis vermeldete nämlich derweil, dass erst 2,5 Prozent der für Solaranlagen geeigneten Flächen schon bestückt worden seien. Grundgütiger! Gerade haben der Bundesverband Solarwirtschaft und das Bundesumweltministerium eine weitere Kürzung der Einspeisevergütungen vereinbart, allerdings erst zum 1. Juli dieses Jahres. Und damit ist klar, was abgehen wird: In den nächsten Monaten wird der Einspeisevergütungswahn wiederum zehntausende Dächer in blau blitzende Minikraftwerke verwandeln, die dann für mindestens zwanzig Jahre eine optische Umweltverschmutzung darstellen werden.

Muss das so sein? Nein, muss es nicht, selbst mit Ökostrom-Rendite nicht. Denn es gibt ja durchaus Produktentwickler und Architekten, die ihren Job richtig verstehen. Zum Beispiel Jürgen Lohmann, Architekt aus Rotenburg/Wümme, der im Auftrag der Zeitschrift Schöner Wohnen bereits mehrere Hauskonzepte entwickelt und gebaut hat. Sein neuestes Projekt: ein KfW-Effizienzhaus 55, das der Haushersteller Schwörer baut. Es ist mit in die Fassade integrierten Fotovoltaik-Modulen ausgestattet. Das wirkt modern und klar, eine saubere Lösung.

So geht’s auch: das Kraftwerk als sinnstiftender Teil der Fassade
(Foto: Schöner Wohnen-Haus, fotografiert von Heiner Orth)

Und auf der BAU 2011, der Leitmesse der Branche in München, entdeckte ich auf dem Stand von Eternit Dachziegel mit integrierter Stromerzeugung, mit denen man ein Dach decken kann wie mit herkömmlichen Ziegeln oder Dachsteinen. Auch sie eine moderne, gestalterisch überzeugende Variante. Nur leider sind sie wohl erst vom Herbst an marktreif. Haltet euch `ran, Leute, sie werden dringend gebraucht!

Sven Rohde

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