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| Wo ist die Grüne? Farbenvielfalt bei der Mülltrennung. (Foto: Rolf van Melis/Pixelio) |
Eine Tonne für den Titelverteidiger, oder: Recycling bei den Weltmeistern
19.10.2011, 10:20 Uhr
Die Deutschen sind Recycling-Weltmeister. Natürlich inoffiziell, denn noch gibt es keinen internationalen Wettbewerb für das Müllsammeln. Laut Bundesverband der deutschen Entsorgungs-, Wasser- und Rohstoffwirtschaft werden in Deutschland 88 Prozent des Altpapiers, 87 Prozent des Glases, 72 Prozent des Metalls und 67 Prozent der Kunststoffe wiederverwertet. An sich schon ordentliche Zahlen, aber es geht noch mehr. Rohstoffe werden immer knapper, und wir können es uns nicht leisten, sie auf der Deponie vergammeln zu lassen. So sieht es auch das Umweltbundesamt, das in einem Planspiel die Möglichkeiten einer erweiterten Wiederverwertung ausloten ließ. Heraus kam eine Idee für eine neue, umfassende Rohstoffsammlung. Die gute alte „Gelbe Tonne” soll zu einer ultimativen Wertstofftonne umgewandelt werden, die neben den Verpackungen mit dem Grünen Punkt auch Dinge wie altes Besteck, Omas abgenutzte Kochtöpfe oder das kaputt-geliebte Spielzeug der Kinder aufnimmt.
Gut finde ich diese Idee vor allem deshalb, weil sie ohne neue Tonne auskommt. Langsam würden uns auch die Farben ausgehen. Man muss ja mittlerweile wirklich aufpassen, wenn man im Halbdunkel den Müll zur Tonne bringt. Ist es jetzt auch wirklich die graue Tonne für den Hausmüll? Oder doch die gelbe? Oder gar die grüne, die mancherorts braun ist? Oder blau? Da ist Vorsicht geboten, denn schließlich wollen wir nach mühevoller Sortierung nicht den Bio-Müll aus Versehen in der Altpapier-Tonne entsorgen.
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| Alte Töpfe: auch bald ein Fall für die Tonne? (Foto: qay/Pixelio) |
Sofern überhaupt eine vorhanden ist. Denn obwohl es seit 2011 Pflicht ist, eine Bio-Tonne und eine Papiertonne zu haben, sind diese noch längst nicht in allen Haushalten angekommen. Eindeutig ein Fleck auf der weltmeisterlich weißen Weste. Ganz anders sieht es übrigens bei meinen Eltern auf dem Land aus. Vier Tonnen in der Garage, der Abholkalender an der Pinnwand. Und ist der große Tag da, kann man die Uhr danach stellen, wann sich die farblich passenden Tonnen im ganzen Dorf an den Bürgersteigen aufreihen. Was sagt uns das? Fast jeder von uns kann auch ohne neue Wertstofftonne noch etwas tun. Ich trage eben weiterhin im Schweiße meines Angesichts das Altpapier zum Container. Im Übrigen zusammen mit dem Altglas. Solange bis endlich die richtige Tonne im Keller steht. Und wenn die neue Gelbe Tonne da ist, dann werde ich auch mein altes Besteck darin entsorgen. Oder Töpfe, mal sehen, vielleicht wenn die Kartoffeln ganz böse angebrannt sind. Obwohl das ja dann schon wieder teilweise Bio-Müll wäre ...
In welcher Form die neue Wertstofftonne umgesetzt wird, ob nun über private Unternehmen oder vielleicht die Kommunen, ist letztlich uninteressant. Was zählt, ist das laut Umweltbundesamt vorhandene Potential, pro Bundesbürger und Jahr etwa sieben Kilo mehr an Wertstoffen zurück in den Rohstoffkreislauf zu bringen. Mit dieser Aussicht wird uns den Weltmeistertitel so schnell keiner streitig machen. Und mal ganz ehrlich, auch ohne Fernsehübertragung, Fanmeilen und „Public Waste Seperation Viewing” ist der Recycling-Cup ein Titel, auf den wir stolz sein können. Und den es zu verteidigen gilt. Die Tonnen sind da, wir müssen sie nur noch füllen.
Carmen Rudolph
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