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| Android steuert den Haushalt (Foto: Android@Home) |
Haus und Garten drahtlos vernetzt: Dank Googles Android@Home vielleicht bald Wirklichkeit
14.06.2011, 14:30 Uhr
Erinnern Sie sich noch an die ersten zarten Versuche der Industrie, uns mit intelligenten Haushaltsgeräten zu umgeben? Am eindrucksvollsten war der mitdenkende Kühlschrank, der automatisch den Vorrat an Milch, Saft, Wurst und Käse wieder auffüllt, indem er den Bringdienst anruft. Meine Frau sagte dazu lapidar: „Ich will aber nicht immer den gleichen Käse!” Frage ich heute meine dreijährige Tochter, ob sie morgen wieder Kirschsaft trinken will, würde sie das zwar bejahen. Morgen würde sie dann aber ganz beiläufig erwähnen: „Aber Papa, ich mag das nicht. Das weißt du doch!” Mist, das Leben mit der intelligenten Haustechnik könnte so leicht sein, wenn die Familie mitspielen würde.
Trotzdem bleibt die Faszination, das eigene Haus per Knopfdruck und am besten drahtlos per Handy zu dirigieren. Aber wer will schon Wände aufstemmen und kilometerlange Strippen legen, um Waschmaschine, Spülmaschine, Backofen, die Beleuchtung, Fernseher, Hi-Fi-Anlage, Markisen, Garagentore und den ganzen Rest fernzusteuern? Einen kleinen Hoffnungsschimmer gab es Mitte Mai in San Francisco. Google stellte auf seiner Entwicklerkonferenz IO 2011 das Projekt Android@Home vor. Das offene Betriebssystem für Smartphones und iPad-ähnliche Tablet-PCs soll zukünftig die Steuerung des gesamten Haushalts ermöglichen. Mit einem kostenlosen Entwicklerpaket liefert Google nun die Grundlagen für Anwendungen. Die ersten Beispiele sind zwar bescheiden, lassen aber hoffen. Da gibt es etwa eine LED-Lampe, die ihren Netzwerkanschluss – Google hat dafür eine eigene Funktechnik entwickelt – gleich mitbringt. Die Vernetzung erfolgt einfach per Plug and Play. Wer sein ganzes Haus mit solchen Lampen ausstattet, kann sie dann ganz bequem per Android dimmen, programmieren, überwachen. Die zweite Anwendung ist eine Mediastation in Gestalt eines verunglückten Alien-Raumschiffs, die auf den Namen „Projekt Tungsten” hört und Musik im ganzen Haus verteilt.
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| Befehle bequem vom Sofa aus geben (Foto: Fotolia) |
Wer ein wenig nachdenkt, dem fallen schnell ein paar richtig coole Anwendungsideen für Android@Home ein. Jeder könnte mit der neuen Technologie sein ganz reales „Farmville” (virtuelles Gartenmanagement) spielen. Das bedeutet aber auch: Wenn man vergisst, den per Handy aktivierten Rasensprenger zu programmieren oder den elektrischen Rasenmähermann loszuschicken, lassen die Blumen die Köpfe hängen, verteilt sich das Springkraut über das ganze Grundstück. Das Kind im Mann frohlockt, Hobbygärtner mit Hang zur Handarbeit verdrehen die Augen. Gerade im Garten bietet sich ein smartes, vom Handy dirigiertes Ensemble von technischen Helferlein an. Die Nachbarskinder sind zu laut? Binnen Sekunden steigt ein kleiner, per Funk gesteuerter Helikopter auf, segelt über den Gartenzaun und macht eine Ansage. Oder wie wäre es mit einer elektrifizierten Drohne, die Jagd auf lästige Wespen, Schnecken oder Maulwürfe macht? Ebenfalls eine prima Idee, für alle, die morgens nicht aus den Federn kommen: Ein von Android@Home gesteuerter Wecker, der beim Alarm das Licht einschaltet, die Musikanlage aufdreht, die Kaffeemaschine vorheizt und im Winter die Standheizung im Auto anfeuert.
Das ist natürlich alles noch Zukunftsmusik, denn schließlich müssen sich auch genügend Hersteller finden, die der schönen Software die nötige Hardware verpassen. Vorsichtige Menschen argwöhnen natürlich schon, dass die Datenkrake Google mit der Hausvernetzung vielleicht künftig Zugriff auf alle angeschlossenen Haushalte erlangt. Man weiß ja nie. Und die Vorstellung, dass ein hochrangiger Manager in der Googlezentrale in Mountain View, Kalifornien, die Bilder der über Android@Home angesteuerten Babyüberwachungskamera betrachtet oder die per W-LAN auf den Fernseher gezauberten Filme heimlich mitguckt, gefällt nicht jedem. Da bleibt dann eben nur eines: Das gute alte „Sneaker LAN” anschmeißen. Was das ist? Sportschuhe (Sneakers) anziehen und ein paar Dinge zu Fuß erledigen.
Christian Mascheck