justpublish!MEDIA
 
 
Auf Komfort muss niemand verzichten: schwimmendes Haus mit Terrasse in den Niederlanden (Foto: Wohnboot)

Wohnen auf dem Wasser

23.01.2012, 11:07 Uhr

Die UN-Weltklimakonferenz in Durban ist weitestgehend gescheitert. Gleichzeitig legen neueste Hochrechnungen des Kohlendioxidausstoßes nahe: Die Menschheit wird die Klimaerwärmung nicht aufhalten, ja noch nicht einmal deutlich verlangsamen können.

Besonders gravierend wirkt sich der Anstieg des Meeresspiegels durch das Schmelzen der Polkappen aus. Für einige kleinere Inselstaaten wird als einziger Ausweg vermutlich nur die Evakuierung bleiben, aber auch die Küstenregionen der Kontinente sind bedroht. Hier verfügt man immerhin über technische Möglichkeiten, um sich auf das steigende Wasser einzurichten – und über das nötige Geld für den Einsatz moderner Technologien.
In Europa sind die Niederländer seit Jahrhunderten führend, wenn es darum geht, sich vor den Fluten zu schützen und dem Meer Boden abzutrotzen. Schließlich liegt rund ein Viertel des Landes bereits heute unter Meereshöhe und wird durch Deiche geschützt. Natürlich macht man sich dort auch über den Klimawandel Gedanken.

Eine neue Idee sind schwimmende Häuser. Dabei sind vor allem zwei Varianten in der Erprobung: Konstruktionen, die ganzjährig schwimmen und vom wechselnden Wasserstand angehoben und abgesenkt werden, sowie Häuser, die zunächst auf der Erdoberfläche stehen und nur bei einem Fluteinbruch oder Flusshochwasser aufschwimmen.
Mit den berühmten Hausbooten der Niederländer hat das wenig zu tun. Vielmehr setzen die Konstrukteure entweder auf wasserdichte und schwimmfähige Kellerwannen oder auf Pontons, also mit geschäumtem Material gefüllte Schwimmkörper. Die Konstruktionen müssen groß genug sein, um ausreichend Auftrieb zu erzeugen: Sie müssen immerhin das Gewicht des Hauses, seiner Einrichtung und die Bewohner auf dem Wasser halten.

Schick und lichtdurchflutet sind auch die Floating Homes. Dieses liegt im Hamburger Hafen (Foto: floating homes)

Noch entstehen allerdings keine groß angelegten „Schwimmsiedlungen”. Rund 20 schwimmfähige Häuser stehen im niederländischen Ort Maasbommel auf der Wasserseite des Flussdeichs der Maas. Bei regulärem Wasserstand ruhen sie auf dem Uferboden. Tritt der Fluss über die Ufer, steigen die Gebäude mit dem Wasser bis zu fünfeinhalb Meter empor. Stahlpfähle, an denen die Häuser befestigt sind, verhindern das Wegschwimmen. Eine besondere Herausforderung bei der Konstruktion stellten die Wasserleitungen, aber auch Strom- und Kommunikationskabel dar. Sie mussten so angebracht werden, dass sie das Heben und Senken des Hauses nicht behindern und auch nicht abreißen.

Knapp 100 Kilometer westlich von Maasbommel, im Rotterdamer Rheinhafen, schwimmt ein 800 Quadratmeter großer Pavillon, in dem eine Ausstellung des Programms „Klimasicheres Rotterdam” gezeigt wird. Was sich seit rund einem Jahr im Dauerbetrieb bewährt, war auch für die im Wasserbau erfahrenen Niederländer eine technische Herausforderung. Als Ponton dient eine fast zwei Meter dicke Styroporschicht, in die Beton, Stahlstreben und Anlagen für die Haustechnik eingelassen sind. Alles wurde im schwimmenden Zustand zusammengefügt, wobei die Konstruktion stets im Gleichgewicht bleiben musste. Oben dient eine Betonschicht als Fundament für den Pavillon, seitlich sollen weitere Betonplatten die Konstruktion gegen Kollisionen mit Schiffen panzern. Dicke Stahlsäulen halten den Ponton an seinem Platz.

Als nächstes Projekt ist ein schwimmfähiges Gewächshaus auf einer viereinhalb Hektar großen Fläche geplant. Es soll in einer großen Niederung entstehen, die bei Überschwemmungen geflutet wird, um das Wasser von bewohnten Gebieten fernzuhalten. In den kleinen Niederlanden stellt ein solches Schutzbecken einen gigantischen Flächenverbrauch dar. Dieses Areal bliebe mit dem Gewächshaus weiter landwirtschaftlich nutzbar.

Der Anfang ist gemacht. Bis die schwimmenden Häuser in den Niederlanden und andernorts jedoch über das Stadium der Prototypen hinaus sind, ist es noch ein weiter Weg. Aktuelle Entwürfe sehen vor, dass Rotterdam mit seinen 600 000 Einwohnern in den kommenden 30 Jahren gerade einmal rund 1 000 Schwimmhäuser bekommen wird. Um sich flächendeckend auf steigende Wasserpegel einrichten zu können, müsste die Pontontechnik standardisiert und vereinfacht werden, sodass Architekten, Bauingenieure und Handwerker mit ihr zurecht kommen. Überdies muss natürlich auch der Baupreis für die Schwimmhäuser sinken. Hoffentlich lässt der Klimawandel auch genügend Zeit für die nötige Weiterentwicklung.

Volker Thies

Empfehle dies deinen Freunden. Ihren XING-Kontakten zeigen 

Neueste Einträge

Wohnen auf dem Wasser
Solartechnik: mehr als nur Silizium
Schöne neue Welt
Und täglich dröhnt der Laubpuster!
Wasserstoff: Die Antwort auf alle Energie-Probleme?
...ältere Einträge anzeigen
Abonnieren Sie den justpublish! RSS-Feed!