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Ein Windrad wird montiert (Foto: Frey-Architekten)

1000 Räder für den Schwarzwald

13.05.2011, 10:42 Uhr

Es ist ja sinnvoll, dass es in unserem Land Bauvorschriften gibt. Schließlich soll ja nicht jeder wurschteln wie er will – ein Gebäude sollte tunlichst nicht umstürzen und auch nicht die Landschaft verschandeln. Dass aber Genehmigungsverfahren in Deutschland einfach zum Haareraufen sein können, muss jetzt Wolfgang Frey erfahren.

Der Architekt aus Baden-Württemberg hatte eine simple und lobenswerte Idee: Statt weiter ungeduldig auf neue Windkraftanlagen im Ländle zu warten, wollte er selbst Strom mittels kleiner Windräder produzieren. Das setzte er dann auch erfolgreich um, eines „seiner” Hausdächer krönt ein Rad, das umweltfreundlich die Energie für den Gemeinschafts-Waschmaschinenraum liefert. „Dann habe ich weitere Windräder für andere Häuser beantragt”, erzählt der Architekt und dachte an nichts Böses. Die Baugenehmigung war schnell da, doch die endgültige Freigabe lässt seit acht Monaten auf sich warten. Eine merkwürdige Geschichte nahm ihren Anfang.

Grund für die Verzögerung ist der akribische Prüf-Statiker. Der muss prüfen, ob der von Frey beauftragte Statiker die Daten für das betreffende Haus richtig errechnet hat und damit sicher stellt, dass das Dach unter dem Windrad nicht zusammenbricht. „Das ist der reguläre Amtsvorgang bei gewerblichen Bauten oder Wohnhäusern mit mehr als drei Wohneinheiten”, sagt Frey. Nun hat aber der offizielle Statiker herausbekommen, dass alle Windräder, auch die kleinen mit drei oder vier Metern Durchmesser, nach den einheitlichen Regeln für Standsicherheit für Windräder zu beurteilen sind – die gleichen Regeln, die auch für die großen Offshore-Anlagen in Dänemark gelten. Dass deren Masten einiges aushalten müssen ist klar, die Schwingungen der gigantischen Rotorblätter sind schließlich enorm. „Was hat denn das mit meinen Rädern zu tun”, fragte sich Herr Frey und schüttelt immer noch angesichts der Prüfstandards den Kopf. Da kam ihm eine Idee.

Baum statt Mast (Foto: Frey-Architekten)

„Bäume”, sagt der Architekt, „die sind ja schon an sich ein Mast und gelten offiziell nicht als Bauwerk.” Also fallen sie auch nicht unter die üblichen Regeln und Vorschriften. Die Baurechtsbehörde ist nicht zuständig. Ein weiterer Vorteil: Baum-Windräder sparen Geld. Bei einer regulären Windkraftanlage entfallen rund 60 Prozent der Baukosten auf den Mast und das Fundament. Als Versuchsobjekt zog Frey einen rund 60 Kilogramm schweren Mini-Rotor in den Wipfel einer Douglasie, wofür nur ein paar Zweige weichen mussten. Die Position, 40 Meter über dem Boden, ist nahezu perfekt. „Dort oben kommt es zwar zu Verwirbelungen, aber selbst mit halber Kraft rechnet sich das Rad, weil wir ja die Kosten für den Mast gespart haben”, so Frey. Das Windrad versorgt mit jährlich etwa 9000 Kilowattstunden insgesamt drei Haushalte.

Das Problem ist jetzt der rechtsfreie Raum, in dem die Rotoren ihre Runden drehen. „Wir stecken gerade in der Prüfungsphase”, erzählt der Architekt. Zwei Gutachten sind in Arbeit. Das eine soll die baulichen und statischen Belange klären und wird zusammen mit der Uni Freiburg, der örtlichen Baurechtsbehörde und dem Regierungspräsidium Freiburg erstellt. Das andere klärt die naturschutzrechtlichen Fragen, denn längst haben sich die Tierfreunde gemeldet und ihre Angst bekundet, dass Fledermäuse in die Rotorflügel geraten könnten. Falls sich herausstellt, dass die Sorge berechtigt ist, könnte die Naturschutzbehörde dem Projekt einen dicken Riegel vorschieben.

Frey hat inzwischen die Aktion „1000 Räder für den Schwarzwald” ausgerufen und kann sich längst nicht mehr vor Anfragen nach Windrädern retten. „Ich kriege jeden Tag 15 bis 20 Mails und ebenso viele Anrufe”, sagt er. Er muss sie alle vertrösten, bis die Lage geklärt ist. Das kann dauern. Wir drücken die Daumen.

Uske Berndt

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