www.justpublish.de http://www.justpublish.de/blog justpublish.de - der Blog Mon, 23 Jan 2012 00:00:00 +0100 en Wohnen auf dem Wasser http://www.justpublish.de/blog/wasser Mon, 23 Jan 2012 11:07:26 +0100 http://www.justpublish.de/blog/wasser Die UN-Weltklimakonferenz in Durban ist weitestgehend gescheitert. Gleichzeitig legen neueste Hochrechnungen des Kohlendioxidausstoßes nahe: Die Menschheit wird die Klimaerwärmung nicht aufhalten, ja noch nicht einmal deutlich verlangsamen können.

Besonders gravierend wirkt sich der Anstieg des Meeresspiegels durch das Schmelzen der Polkappen aus. Für einige kleinere Inselstaaten wird als einziger Ausweg vermutlich nur die Evakuierung bleiben, aber auch die Küstenregionen der Kontinente sind bedroht. Hier verfügt man immerhin über technische Möglichkeiten, um sich auf das steigende Wasser einzurichten – und über das nötige Geld für den Einsatz moderner Technologien.
In Europa sind die Niederländer seit Jahrhunderten führend, wenn es darum geht, sich vor den Fluten zu schützen und dem Meer Boden abzutrotzen. Schließlich liegt rund ein Viertel des Landes bereits heute unter Meereshöhe und wird durch Deiche geschützt. Natürlich macht man sich dort auch über den Klimawandel Gedanken.

Eine neue Idee sind schwimmende Häuser. Dabei sind vor allem zwei Varianten in der Erprobung: Konstruktionen, die ganzjährig schwimmen und vom wechselnden Wasserstand angehoben und abgesenkt werden, sowie Häuser, die zunächst auf der Erdoberfläche stehen und nur bei einem Fluteinbruch oder Flusshochwasser aufschwimmen.
Mit den berühmten Hausbooten der Niederländer hat das wenig zu tun. Vielmehr setzen die Konstrukteure entweder auf wasserdichte und schwimmfähige Kellerwannen oder auf Pontons, also mit geschäumtem Material gefüllte Schwimmkörper. Die Konstruktionen müssen groß genug sein, um ausreichend Auftrieb zu erzeugen: Sie müssen immerhin das Gewicht des Hauses, seiner Einrichtung und die Bewohner auf dem Wasser halten.

Noch entstehen allerdings keine groß angelegten „Schwimmsiedlungen”. Rund 20 schwimmfähige Häuser stehen im niederländischen Ort Maasbommel auf der Wasserseite des Flussdeichs der Maas. Bei regulärem Wasserstand ruhen sie auf dem Uferboden. Tritt der Fluss über die Ufer, steigen die Gebäude mit dem Wasser bis zu fünfeinhalb Meter empor. Stahlpfähle, an denen die Häuser befestigt sind, verhindern das Wegschwimmen. Eine besondere Herausforderung bei der Konstruktion stellten die Wasserleitungen, aber auch Strom- und Kommunikationskabel dar. Sie mussten so angebracht werden, dass sie das Heben und Senken des Hauses nicht behindern und auch nicht abreißen.

Knapp 100 Kilometer westlich von Maasbommel, im Rotterdamer Rheinhafen, schwimmt ein 800 Quadratmeter großer Pavillon, in dem eine Ausstellung des Programms „Klimasicheres Rotterdam” gezeigt wird. Was sich seit rund einem Jahr im Dauerbetrieb bewährt, war auch für die im Wasserbau erfahrenen Niederländer eine technische Herausforderung. Als Ponton dient eine fast zwei Meter dicke Styroporschicht, in die Beton, Stahlstreben und Anlagen für die Haustechnik eingelassen sind. Alles wurde im schwimmenden Zustand zusammengefügt, wobei die Konstruktion stets im Gleichgewicht bleiben musste. Oben dient eine Betonschicht als Fundament für den Pavillon, seitlich sollen weitere Betonplatten die Konstruktion gegen Kollisionen mit Schiffen panzern. Dicke Stahlsäulen halten den Ponton an seinem Platz.

Als nächstes Projekt ist ein schwimmfähiges Gewächshaus auf einer viereinhalb Hektar großen Fläche geplant. Es soll in einer großen Niederung entstehen, die bei Überschwemmungen geflutet wird, um das Wasser von bewohnten Gebieten fernzuhalten. In den kleinen Niederlanden stellt ein solches Schutzbecken einen gigantischen Flächenverbrauch dar. Dieses Areal bliebe mit dem Gewächshaus weiter landwirtschaftlich nutzbar.

Der Anfang ist gemacht. Bis die schwimmenden Häuser in den Niederlanden und andernorts jedoch über das Stadium der Prototypen hinaus sind, ist es noch ein weiter Weg. Aktuelle Entwürfe sehen vor, dass Rotterdam mit seinen 600 000 Einwohnern in den kommenden 30 Jahren gerade einmal rund 1 000 Schwimmhäuser bekommen wird. Um sich flächendeckend auf steigende Wasserpegel einrichten zu können, müsste die Pontontechnik standardisiert und vereinfacht werden, sodass Architekten, Bauingenieure und Handwerker mit ihr zurecht kommen. Überdies muss natürlich auch der Baupreis für die Schwimmhäuser sinken. Hoffentlich lässt der Klimawandel auch genügend Zeit für die nötige Weiterentwicklung.

Volker Thies
Solartechnik: mehr als nur Silizium http://www.justpublish.de/blog/solartechnik Mon, 02 Jan 2012 13:14:16 +0100 http://www.justpublish.de/blog/solartechnik Die ersten Satelliten mit Solarzellen starteten Ende der 1950er Jahre ins All. Knapp 30 Jahre später begannen umweltbewegte Pioniere, die exotische Technik auf ihre Dächer zu schrauben. 1990 gab es das erste staatliche Solar-Förderprogramm in Deutschland. Heute sind Solarzellen eine Allerweltstechnik. In manchen Neubaugebieten gibt es mehr Dächer mit als ohne.

Ist die Solartechnik also im Alltag und damit am Ende ihrer Entwicklung angekommen? Keineswegs! Natürlich feilen die großen Herstellerfirmen vor allem an Details, versuchen noch einige Zehntelprozent mehr Energieertrag zu erzielen oder die Herstellungskosten um ein paar Euro zu senken. Doch es gibt auch einige ganz neue Ansätze. Sie haben das Potenzial, die junge Solarbranche schon wieder zu revolutionieren oder zumindest einige neue, interessante Anwendungsfelder zu öffnen.

Da wären zum Beispiel organische Solarzellen. Sie bestehen aus speziellen Kunststoffen. Gegenüber üblichen Zellen aus Silizium bringt das verschiedene Vorteile: Das Kunststoffmaterial ist günstig und die Herstellung verbraucht nur wenig Energie. Das senkt den Preis und macht die Solarzellen-Produktion selbst umweltfreundlicher. Außerdem müssen organische Solarzellen nicht starr sein. Das flexible Material bietet neue Anwendungs- und Gestaltungsmöglichkeiten. Allerdings erreicht die Technik bislang nur einen geringen Energieertrag. Die besten organischen Solarzellen aus Laborproduktion erreichen einen Wirkungsgrad von gerade einmal 10,6 Prozent gegenüber fast 20 Prozent bei marktgängigen Siliziumzellen. Außerdem zersetzen sich die organischen Stoffe im Lauf der Zeit, sodass der Dauerbetrieb bislang noch mit Leistungsabfällen verbunden ist.

Während organische Solarzellen immerhin bereits in kleineren kommerziellen Produktionslinien hergestellt werden, hat manch andere Solartechnik den Sprung aus dem Labor in die Fabrik noch vor sich. Spannend sind diese Forschungsprojekte dennoch. Da wäre zum Beispiel die australische Physikerin Kylie Catchpole. Sie hat Dünnschicht-Solarzellen mit Silberpartikeln in Nano-Größe versetzt. Das erhöht die Energieausbeute auf bis zu 16 Prozent. Normale Dünnschicht-Solarzellen erreichen maximal zwölf Prozent. Neben der höheren Ausbeute kommen Catchpoles Zellen ohne das seltene und teure Element Tellur aus, das normalerweise für die Dünnschicht-Technik benötigt wird.

Ebenfalls aus Australien, sonst eher für seine Steinkohle bekannt, kommt die Firma Dyesol. Sie entwickelt die Nischentechnologie der Farbstoff-Solarzellen weiter, die nicht auf Halbleitern beruht, sondern auf speziellen Farbstoffen – ähnlich wie das Chlorophyll in Pflanzen. Auch hier liegt der Wirkungsgrad bei maximal elf Prozent, aber Dyesol forscht an neuen Anwendungen, bei denen die stromerzeugende Farbe nicht mehr zwischen Glasschichten aufgetragen werden muss. Besonders vielversprechend ist eine Kooperation mit dem indischen Konzern Tata. Das Ziel ist ein Verfahren, um Stahldächer mit einer einfachen Beschichtungstechnik zu Stromquellen zu machen.
Die Beispiele beweisen: Solartechnik ist viel mehr als nur das gute, alte Silizium. Bei der Stromgewinnung aus Sonnenlicht dürfen wir noch auf eine ganze Reihe von Neuerungen gespannt sein.

Volker Thies
Schöne neue Welt http://www.justpublish.de/blog/welt Thu, 15 Dec 2011 12:10:10 +0100 http://www.justpublish.de/blog/welt Hochhaus-Riesen und eine imposante Skyline sucht man in Amsterdam vergebens – stattdessen wollen Architekten dort jetzt tief hinab ins Erdreich. Unter die Grachten. In dieser unwirtlichen Welt, umgeben von Gestein und Erde, parken dann Tausende von Autos. Um die Ecke spielen Menschen. Vielleicht Squash, vielleicht Tennis oder Fußball. In großen Kinosälen laufen die neuesten Filme. Und auch den Nachbarn würde man dort treffen, beim Einkaufen oder auf einen Kaffee. Unter der Erde von Amsterdam. Amfora heißt diese Welt im Untergrund, unterhalb der Kanäle, die Amsterdam bereits jetzt durchziehen: eine Kopie der Jahrhunderte alten Kanalstruktur. Dabei steht das Kunstwort Amfora für "Alternatieve Multifunctionele Ondergrondse Ruimte Amsterdam", was soviel heißt wie „Alternativer, multifunktioneller Untergrund-Raum für Amsterdam”.

Erdacht und geplant von visionären Menschen, die mit diesem Szenario keine Science-Fiction-Bücher füllen möchten. Der Ingenieur Bas Obladen vom Baukonzern Strukton Engineering und der Architekt Rob Torsing vom Büro Zwarts & Jansma wollen den Amsterdamern zu mehr Lebensqualität verhelfen. In sieben Jahren könnte das Projekt Amfora starten. Zehn oder 20 Jahre könnten bis zum Bauende vergehen.

Solch eine Stadt unter der Stadt ist die Antwort auf unhaltbare Zustände: in Lärm und Abgasen versinkende Großstädte. Dabei gehen die Planungen über die zu Großstädten wie Amsterdam, München oder Berlin hinaus. Es geht um ganze Regionen wie etwa das Ruhrgebiet. Profitieren von den unterirdischen Bauvisionen sollen die richtig großen Metropolen. Erst recht sogenannte Mega-Cities mit zig Millionen Einwohnern.

Dabei ist die Idee, die Stadt unter die Erdoberfläche zu verlagern, nicht neu. Ein Sprung zurück in die Zeit vor Christi Geburt zeigt, was die Meister der Architektur in Kappadokien, im Süden der Türkei, ohne moderne Maschinen erschaffen hatten: unterirdische Städte für Tausende von Menschen, angelegt auf mehreren Stockwerken.

Wer heute in einer Stadt unter Tage flanieren möchte, fliegt nach Montréal: Besonders im Winter flüchten die Bewohner der kanadischen Metropole in ausgedehnte unterirdische Einkaufs- und Freizeit-Zentren. Auch Moskau ist berühmt für seine „tiefer gelegte” Architektur: Dort lässt sich in prachtvollen Metro-Stationen flanieren. In der russischen Hauptstadt, so heißt es, hätten die Regierung und ihre Planer in den vergangenen Jahren immer wieder ein unterirdisches, zweites Moskau vorgestellt. 2009 berief sich die Internet-Zeitschrift Eurasisches Magazin auf eine Aussage aus Regierungskreisen, wonach bis zu 80 Prozent aller Lagerräume, 70 Prozent aller Parkplätze und 30 Prozent der Dienstleistungsunternehmen unterirdisch Platz fänden. Über der Erde bleiben sollten hingegen Wohnhäuser, Krankenhäuser, Schulen, Kindergärten und Parkanlagen. Noch ist das Zukunftsmusik. Zum Glück.

Auch international renommierte Architekten wie Tadao Ando möchten unter die Erde. Der Pritzker-Preis-Träger, der durch den japanischen Expo-Pavillon 1992 in Sevilla bekannt wurde, plädiert fürs Wohnen im Erdreich. Radikal mutet seine Idee an, denn er versenkt seine Bauwerke in den Untergrund, und schafft dort Architektur. Tadao scheint es nicht nur um einzelne Gebäude zu gehen, die im Unsichtbaren verschwinden; auch er denkt an ganze Städte, die gleichsam in der Erde versinken.

Auch Herausforderungen wie ein gigantischer Warenfluss oder eine flächendeckende Versorgung sind mit neuen Strukturen in der Tiefe lösbar. „Das System CargoCap ist das Ideal schlechthin, auch für Städte im Untergrund”, meint Dietrich Stein. Als geschäftsführender Gesellschafter der CargoCap GmbH in Bochum steht der Ingenieur für ein raffiniertes Transportsystem, bei dem Güter in Ballungsräumen durch unterirdische Fahrrohrleitungen mithilfe intelligenter Kapseln zu ihrem Zielort gelangen. Das geschieht unabhängig von oberirdischen Verkehrsstaus – bei Sonnenschein, aber auch bei Regen, Schnee oder heftigem Sturm. Das System sei so konzipiert, erklärt Stein, dass es auch „direkt am Lager eines Kaufhauses oder am Band eines Industrieunternehmens” halten könne. „Technisch haben wir das System bis zur Einsatzreife entwickelt und stehen Gewehr bei Fuß für den Alltagseinsatz von CargoCap." Es geht um Vertragsabschlüsse mit Kooperationspartnern in der Industrie – auch international. Es geht um moderne Untergrund-Logistik. Und es geht natürlich um viel Geld.

Daniel Grosse
Und täglich dröhnt der Laubpuster! http://www.justpublish.de/blog/laubpuster Thu, 24 Nov 2011 10:16:40 +0100 http://www.justpublish.de/blog/laubpuster Dunkelheit, Nieselregen, Nebel – der November schlägt vielen von uns aufs Gemüt. Doch damit nicht genug, denn das größte, jährlich wiederkehrende Übel der grauen Jahreszeit kommt aus dem Baumarkt nebenan: der Laubpuster! Beim Schnäppchenpreis von 99 Euro greift auch der passionierte Hobbygärtner gern zu – und peinigt wenig später mit dem frisch erworbenen Gerät Umwelt und Mitmenschen.
Noch vor wenigen Jahren röhrte der Laubpuster lediglich auf öffentlichem Grund wie Gehwegen und Parks. Es war das einsame Privileg der Stadtreinigung, mit diesem motorbetriebene Gerät die Luft zu verpesten und zugleich Tausenden Bürgern durch Dezibel-Werte, die denen eines Presslufthammers entsprechen, einen Tinnitus zu bescheren. Doch die Zeiten haben sich geändert und die Laubbläser das Land flächendeckend erobert – inklusive Klein- und Hausgärten.

Und so wird auch in ordentlichen deutschen Privatgärten längst nicht mehr geharkt, sondern gepustet – übrigens mit Windgeschwindigkeiten von bis zu 250 Kilometern, was in etwa der Stärke des Hurrikans „Katrina” entspricht. Manch stolzer Besitzer kramt sein liebstes Spielzeug gern auch schon im Hochsommer hervor, um die Wege von Sand und Staub zu befreien. Wer hingegen seinen Garten noch mit Besen, Harke und Rechen bearbeitet und sich damit nicht nur meditative Entspannung, sondern auch eine ordentliche Portion Sauerstoff gönnt, gilt unter Hightech-Freaks als aus der Zeit gefallen.

Auch mein Nachbar hat jetzt aufgerüstet: Mit seinem Benzinlaubbläser der jüngsten Generation hat er das Laub in seinem Garten per Knopfdruck im Nu zusammengepustet. Ein weiterer Knopfdruck, und aus dem Gerät wird ein Sauger. Schon ist der Laubhaufen verschwunden – samt Marienkäfern und anderen Kleinlebewesen, die so unvorsichtig waren, ausgerechnet unter abgefallenen Blättern Schutz zu suchen. Und während ich noch verzweifelt nach Ohrenstöpseln suche, hat mein Nachbar bereits den Gehweg in Angriff genommen. Geschickt pustet er dort das Laub zu kegelförmigen Haufen und platziert diese ordentlich auf dem Radweg.

Als er fertig ist und der Laubbläser endlich schweigt, breitet sich auf seinem Gesicht ein zufriedenes Lächeln aus. Seine Gartenarbeit hat er für heute erledigt – in nur 26 Minuten! Und damit einen neuen persönlichen Rekord aufgestellt. In dieser Zeit hat er: 1. sämtliches Gartenlaub inklusive Bodenlebewesen zusammengepustet und aufgesaugt; 2. Fossile Brennstoffe verbraucht und Abgase produziert; 3. Den Radweg unpassierbar gemacht. 4. Seine Ohren nachhaltig geschädigt; 5. Sein Ansehen bei eigentlich wohlmeinenden Nachbarn Richtung Grasnarbe getrieben – kurz: Er hat alles erreicht, was er sich an gärtnerischen Großtaten für diesen Novembertag vorgenommen hat.

Und auch ich habe mir etwas vorgenommen. Ich werde gleich mal zu ihm rübergehen. Ihm einfach mal zeigen, was ’ne Harke ist. Nur für den Fall, dass er es noch nicht weiß.

Irene Altenmüller
Wasserstoff: Die Antwort auf alle Energie-Probleme? http://www.justpublish.de/blog/wasserstoff Tue, 08 Nov 2011 11:34:02 +0100 http://www.justpublish.de/blog/wasserstoff In der Energiebranche gibt’s mal wieder einen Wasserstoff-Boom. Denn anders als elektrischer Strom lässt sich Wasserstoff vergleichsweise leicht speichern. Außerdem kann das Gas mit Hilfe von Strom direkt erzeugt werden – mittels Elektrolyse, die Wasser in Sauerstoff und Wasserstoff zerlegt. Später folgt bei Bedarf die erneute Umsetzung von Wasserstoff in Energie. Das bietet die Chance, die größten Schwächen erneuerbarer Energie zu überwinden: den schwankenden Ertrag und die Schwierigkeiten beim Speichern des Stroms.

Die Ideen und Pilotprojekte sind vielfältig. Die erste großtechnische Anlage ist vor wenigen Tagen in Prenzlau bei Berlin als so genanntes Hybrid-Kraftwerk in Betrieb gegangen. Die Windenergiefirma Enertrag, der Mineralölkonzern Total, der Kraftwerksbetreiber Vattenfall und die Deutsche Bahn investieren dort zusammen 21 Millionen Euro. Total will den Wasserstoff aus der Anlage an einigen seiner Tankstellen an Wasserstofffahrzeuge abgeben. Neben den Windkraftanlagen ist eine Biogaserzeugung in das Prenzlauer Projekt eingebunden. Ein Blockheizkraftwerk erzeugt aus Wasserstoff und Biogas sowohl Wärme für Abnehmer im Umland als auch Strom.

Die Genossenschaft „Greenpeace Energy” (GE) zieht ihr Wasserstoff-Projekt, das freilich noch in der Vorbereitungsphase ist, anders auf. GE will die Speicher- und Verteilerkapazität des bestehenden Erdgasnetzes nutzen. Da die Speicherkapazität für reinen Wasserstoff begrenzt ist, könnte das Gas in Methan umgewandelt werden, den Hauptbestandteil von Erdgas. Greenpeace Energy geht davon aus, dass das komplett gefüllte Erdgasnetz bei optimaler Nutzung die deutsche Stromversorgung für zwei bis drei Monate sichern kann.

Die Industrie ist also Feuer und Flamme für Wasserstoff-Konzepte. Doch erst einmal langsam und kritisch nachgerechnet! Das Prenzlauer Kraftwerk zum Beispiel gewinnt maximal 120 Kubikmeter Wasserstoff pro Stunde. Damit kommen zwölf Wasserstoffautos 100 Kilometer weit. Nimmt man 100 Kilometer Tagesleistung an – für ein Pendler-Auto durchaus nicht viel –, könnte man mit der gesamten Produktion gerade einmal knapp 300 Autos versorgen. Und dafür eine Anlage, die 21 Millionen Euro kostet? Steht das noch im Verhältnis?
Auch die Gasnetz-Einspeisung hat ihre Schattenseiten: Die Erzeugung von Wasserstoff und Methan verbraucht Prozessenergie, damit betriebene Heizungen und Blockheizkraftwerke verlieren Energie durch den Schornstein. Am Ende steht ein Wirkungsgrad von nur noch 35 bis 65 Prozent der eingesetzten Windenergie. Lohnt sich das?

Das bedeutet nicht, dass Wasserstofferzeugung aus Windkraft ein Irrweg wäre, aber bei aller Euphorie für neue Techniken bleiben mindestens zwei Einwände berechtigt:
Erstens besteht auf allen Ebenen, vom Rotor bis zu den vielfältigen Verbrauchern, reichlich technischer Verbesserungsbedarf, um die Energie optimal zu nutzen. Zweitens bleiben viele strategische Fragen zu klären: Welche Art der Wasserstoffnutzung ist für welches Anwendungsfeld ökologisch und ökonomisch sinnvoll; vom Heizungsbetrieb über Blockheizkraftwerk und Brennstoffzelle bis zu anderen, noch zu entwickelnden Techniken? Eher kleine und dezentrale oder große Anlagen? Ist es besser, Windparks im windreichen Norden zu ballen oder bringt die Nähe zu den Strom-Abnehmern im ganzen Land mehr, auch wenn die Auslastung dort geringer bleibt? Welche Rolle spielen neben dem Wasserstoff andere Speicherformen wie Pumpspeicherkraftwerke oder ein intelligentes Netz aus Elektroauto-Akkus? Erst wenn diese und viele weitere Fragen in einem großen Zusammenhang geklärt sind, lässt sich eine vernünftige Energie(speicher)strategie entwerfen, in der Wasserstoff sicher seinen Platz finden wird.

Volker Thies
Eine Tonne für den Titelverteidiger, oder: Recycling bei den Weltmeistern http://www.justpublish.de/blog/recycling Wed, 19 Oct 2011 10:20:40 +0200 http://www.justpublish.de/blog/recycling Die Deutschen sind Recycling-Weltmeister. Natürlich inoffiziell, denn noch gibt es keinen internationalen Wettbewerb für das Müllsammeln. Laut Bundesverband der deutschen Entsorgungs-, Wasser- und Rohstoffwirtschaft werden in Deutschland 88 Prozent des Altpapiers, 87 Prozent des Glases, 72 Prozent des Metalls und 67 Prozent der Kunststoffe wiederverwertet. An sich schon ordentliche Zahlen, aber es geht noch mehr. Rohstoffe werden immer knapper, und wir können es uns nicht leisten, sie auf der Deponie vergammeln zu lassen. So sieht es auch das Umweltbundesamt, das in einem Planspiel die Möglichkeiten einer erweiterten Wiederverwertung ausloten ließ. Heraus kam eine Idee für eine neue, umfassende Rohstoffsammlung. Die gute alte „Gelbe Tonne” soll zu einer ultimativen Wertstofftonne umgewandelt werden, die neben den Verpackungen mit dem Grünen Punkt auch Dinge wie altes Besteck, Omas abgenutzte Kochtöpfe oder das kaputt-geliebte Spielzeug der Kinder aufnimmt.

Gut finde ich diese Idee vor allem deshalb, weil sie ohne neue Tonne auskommt. Langsam würden uns auch die Farben ausgehen. Man muss ja mittlerweile wirklich aufpassen, wenn man im Halbdunkel den Müll zur Tonne bringt. Ist es jetzt auch wirklich die graue Tonne für den Hausmüll? Oder doch die gelbe? Oder gar die grüne, die mancherorts braun ist? Oder blau? Da ist Vorsicht geboten, denn schließlich wollen wir nach mühevoller Sortierung nicht den Bio-Müll aus Versehen in der Altpapier-Tonne entsorgen.

Sofern überhaupt eine vorhanden ist. Denn obwohl es seit 2011 Pflicht ist, eine Bio-Tonne und eine Papiertonne zu haben, sind diese noch längst nicht in allen Haushalten angekommen. Eindeutig ein Fleck auf der weltmeisterlich weißen Weste. Ganz anders sieht es übrigens bei meinen Eltern auf dem Land aus. Vier Tonnen in der Garage, der Abholkalender an der Pinnwand. Und ist der große Tag da, kann man die Uhr danach stellen, wann sich die farblich passenden Tonnen im ganzen Dorf an den Bürgersteigen aufreihen. Was sagt uns das? Fast jeder von uns kann auch ohne neue Wertstofftonne noch etwas tun. Ich trage eben weiterhin im Schweiße meines Angesichts das Altpapier zum Container. Im Übrigen zusammen mit dem Altglas. Solange bis endlich die richtige Tonne im Keller steht. Und wenn die neue Gelbe Tonne da ist, dann werde ich auch mein altes Besteck darin entsorgen. Oder Töpfe, mal sehen, vielleicht wenn die Kartoffeln ganz böse angebrannt sind. Obwohl das ja dann schon wieder teilweise Bio-Müll wäre ...

In welcher Form die neue Wertstofftonne umgesetzt wird, ob nun über private Unternehmen oder vielleicht die Kommunen, ist letztlich uninteressant. Was zählt, ist das laut Umweltbundesamt vorhandene Potential, pro Bundesbürger und Jahr etwa sieben Kilo mehr an Wertstoffen zurück in den Rohstoffkreislauf zu bringen. Mit dieser Aussicht wird uns den Weltmeistertitel so schnell keiner streitig machen. Und mal ganz ehrlich, auch ohne Fernsehübertragung, Fanmeilen und „Public Waste Seperation Viewing” ist der Recycling-Cup ein Titel, auf den wir stolz sein können. Und den es zu verteidigen gilt. Die Tonnen sind da, wir müssen sie nur noch füllen.

Carmen Rudolph